Feuerwehr

Grenzüberschreitende Einsatzübung Grundschule Bärenstein

üBUNGBärenstein - Es brennt in der Bärensteiner Grundschule. Kinder und Lehrkräfte sind von den Flammen eingeschlossen.
Wenige Augenblicke nach der Alarmierung trifft die Freiwillige Feuerwehr Bärenstein am Unglücksort ein.
Dichter Qualm dringt aus der Eingangstür.

Im Minutentakt folgen Rettungsdienst, Katastrophenschutz und benachbarte Wehren – auch aus dem tschechischen Weipert.
Kameraden mit Atemschutzmasken kämpfen sich vor. Rauch im Treppenhaus versperrt jegliche Sicht.
Rettungskräfte tragen verletzte Kinder ins Freie, wo Sanitäter sich um sie kümmern.
Über Drehleitern werden weitere Personen geborgen. Alle 25 Menschen werden gerettet.

Der Großeinsatz am Samstag in Bärenstein war zum Glück nur eine von drei Übungen im Kreis, bei denen deutsche und tschechische Einsatzkräfte gemeinsam den Ernstfall probten. Trotzdem weckt er Erinnerungen an ein Feuerdrama mit neun Toten, das sich vor zwei Jahren in einem Kilometer Entfernung ereignet hatte und vor Augen hält, wie wichtig grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Erzgebirge ist.

„Hilfeleistung grenzenlos“ heißt deshalb das Projekt des Landkreises, mit dem Alarmierungswege überprüft und Einsatzszenarien trainiert wurden – auf Basis der bestehenden Vereinbarungen über grenzüberschreitende Hilfeleistung zwischen dem Landkreis und den beiden benachbarten Kreisen auf tschechischer Seite, wie Landrat Rico Anton erläutert.
Ziel sei es, dass sich Einsatzkräfte besser kennenlernen, sagt Kreisbrandmeister Mario Mischok. Taktische Ansätze und die gegenseitige Alarmierung werden erprobt.


 

Die Wehren aus Bärenstein und Weipert üben schon bedeutend länger regelmäßig gemeinsam.
Bärensteins Bürgermeister Silvio Wagner spricht von einer engen und guten Partnerschaft seit vielen Jahren mit bis zu zwei Übungen jährlich. Schließlich seien seine Gemeinde und Weipert auf böhmischer Seite von oben betrachtet ein gemeinsamer Ort.

Zudem gibt es ohnehin bereits seit den 1990er-Jahren Hilfeleistungsvereinbarungen, die die grenzüberschreitende, stetig gewachsene Zusammenarbeit organisieren. Seit 2013 ist auch der Brandschutz vertraglich geregelt. Wichtig sei es, die anderen Einsatzkräfte einzubinden und Strukturen aufzubauen, sagt Kreisbrandmeister Mischok.

 

An der Übung in Bärenstein beteiligten sich 130 Einsatzkräfte. Gemeindewehrleiter Matthias Schmiedel bezeichnet sie als sehr gelungen. Die Alarmierung habe gut funktioniert. Auch sprachlich gebe es immer weniger Barrieren. Um nicht nur in diesem Grenzort die Organisation der Hilfeleistung zu optimieren, hatten an den Samstagen zuvor bereits Großübungen am ehemaligen Zollgebäude in Reitzenhain und in der Grundschule Johanngeorgenstadt stattgefunden. Auch die beiden dort simulierten Brandeinsätze wurden mit Bravour gemeistert, erklärt Kreisbrandmeister Mischok.

 

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit wurde wieder in den Fokus gerückt, als im Januar 2020 in einem Behindertenheim in Weipert ein verheerender Brand ausgebrochen war. Neun Menschen starben, weitere 30 wurden verletzt. Ein Drama, das die Frage aufwarf, wie effizient Deutsche und Tschechen im Erzgebirge in Notfällen wirklich zusammenarbeiten. Denn die Bärensteiner Brandschützer wurden nicht alarmiert, obwohl ihr Depot nur etwa einen Kilometer von dem Heim entfernt liegt.

 

Bürgermeister Wagner erklärt, dass ein grenzüberschreitender Einsatz stets eine Alarmierung von der anderen Seite voraussetzt. Das sei umständlich, wichtige Minuten könnten verloren gehen. Beim Alarmierungsweg gebe es nach wie vor Optimierungsbedarf.

Denn trotz Bekundungen direkt nach dem verheerenden Brand hat sich diesbezüglich wenig getan. Die grenzüberschreitende Alarmierung erfolgt nach wie vor per Fax. Wagner wünscht sich, dass bei Fällen, wo mit vielen Verletzten zu rechnen ist, eine grenzüberschreitende Alarmierung automatisch erfolgt.

Landesbranddirektor Dirk Schneider nennt das Problem beim Namen: die unterschiedlichen Verwaltungsstrukturen auf deutscher und tschechischer Seite. Genau an diesem Punkt ist nach wie vor die Politik gefragt.

Text: Patrick Herrl / Freie Presse

Ein Video zur Großübung in Bärenstein finden Sie im Internet unter:  » https://freipresse.de/baerenstein22

 

Nr.17/2022
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24.11.2022 um 14:48 Uhr VKU mit eingeklemmter Person
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